Rettet das BiotopHohensasel
Die Pferdekoppel am Aalkrautweg ist Lebensraum für 65 geschützte Arten und eine Wochenstube von bis zu 80 Fledermäusen. Jetzt soll hier gebaut werden.
Zahlen laut Eingabe „Biotop Hohensasel oder Bauland?“ an die Bezirksversammlung Wandsbek
Ein Naturraum, der gewachsen ist
Die Pferdekoppel am Aalkrautweg liegt zwischen Wohnstraßen im Norden von Sasel, nicht weit vom Alstertal. Weil sie über Jahre extensiv genutzt und nicht bebaut wurde, hat sich hier ein Lebensraum entwickelt, der im Hamburger Nordosten selten geworden ist.
Im Hamburger Biotopkataster ist die Fläche mit der Wertstufe 5 erfasst. Zwischen 2011 und 2020 hat sie sich ökologisch deutlich aufgewertet. Für Fledermäuse, Vögel und Insekten ist sie ein Trittstein zwischen dem Alstertal und den Knicks im Quartier.
Mit dem Bauvorhaben „Zukunft Wohnen“ soll die Fläche bebaut werden. Das letzte Artenschutzgutachten dafür beruht auf Daten aus dem Jahr 2016, also aus der Zeit vor der Wochenstube.
Was hier verloren ginge
Artenvielfalt
Brut-, Jagd- und Rückzugsraum für 65 geschützte Arten. Ein solcher Lebensraum lässt sich im dicht bebauten Stadtgebiet nicht einfach an anderer Stelle ersetzen.
Klima & Wasser
Offener Boden nimmt Regen auf, Gehölze kühlen die Nachbarschaft und die Koppel wirkt als Frischluftschneise.
Biotopverbund
Als Trittstein verbindet die Fläche das Alstertal mit den Knicks des Quartiers. Fällt sie weg, reißt eine Lücke in diesem Netz.
Wer auf der Koppel lebt
Das Hamburger Artenkataster verzeichnet für die Fläche 65 besonders oder streng geschützte Arten. Am deutlichsten zeigt sich ihr Wert nach Sonnenuntergang.
Die Wochenstube am Aalkrautweg
Seit 2020 gibt es am Aalkrautweg eine Wochenstube von Glattnasen-Fledermäusen. Sie wurde fachkundig bestätigt und auf Video dokumentiert. Bis zu 80 Tiere wurden gezählt.
In einer Wochenstube finden sich im Frühsommer die Weibchen zusammen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und großzuziehen. Jedes Weibchen bekommt meist nur ein Junges im Jahr. Deshalb kann schon eine gestörte Saison eine lokale Population spürbar schwächen.
Die Flugwege der Tiere führen direkt über die Biotopfläche. Die Koppel ist für sie Jagdrevier: Weidetiere, Dung und Wiesenpflanzen sorgen für viele Insekten, und Gehölzränder und Knicks dienen als Leitlinien, an denen sich Fledermäuse im Flug orientieren.
Das Fledermausjahr
Fledermäuse nutzen ihre Quartiere je nach Jahreszeit unterschiedlich. Die empfindlichste Zeit ist die Wochenstubenzeit im Sommer. Bauarbeiten, Licht und Lärm in dieser Phase treffen die Tiere besonders hart.
Allgemeiner Jahreszyklus heimischer Fledermäuse, je nach Art und Witterung verschoben
Mehr als Fledermäuse
Eine extensiv genutzte Koppel mit Gehölzrändern bietet vielen Artengruppen Lebensraum. Die folgende Übersicht zeigt, welche Rolle die Fläche für sie spielt.
| Artengruppe | Was die Koppel bietet | Was eine Bebauung bedeutet |
|---|---|---|
| Fledermäuse | Jagdrevier, Flugroute zur Wochenstube, Leitstrukturen | Verlust von Jagdfläche, Licht und Lärm an der Flugroute |
| Vögel | Nahrung, Brutplätze in Gehölzen und Hecken | Weniger Nahrung, Störung in der Brutzeit |
| Insekten | Blühpflanzen, Dung, ungestörter Boden | Versiegelung, Verlust der Nahrungsgrundlage |
| Zauneidechse* | Sonnige, offene Stellen zum Aufwärmen, lockerer Boden für die Eiablage, Verstecke in Gras und Gehölzrand | Verlust von Sonnen- und Eiablageplätzen, die Tiere können kaum ausweichen |
| Wiesenknopf-Ameisenbläuling* | Großer Wiesenknopf als einzige Futterpflanze und Knotenameisen, in deren Nestern die Raupen überwintern | Schon der Verlust einer der beiden Grundlagen lässt das Vorkommen erlöschen |
| Amphibien & Kleinsäuger | Deckung, feuchte Bereiche, Winterquartiere | Zerschneidung der Wanderwege |
* in der Nachbarschaft beobachtet, offizieller Nachweis durch eine autorisierte Stelle steht noch aus
Video ansehenBeobachtungen aus der Nachbarschaft · Aufgenommen am · öffnet in OneDriveWertstufe 5 und was sie bedeutet
Hamburg bewertet seine Biotope auf einer Skala von 1 bis 9. Die Koppel am Aalkrautweg liegt bei 5 und hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Die Hamburger Wertstufen
Das Biotopkataster der Umweltbehörde erfasst Lebensräume in ganz Hamburg und bewertet sie in neun Stufen. Stufe 1 steht für weitgehend unbelebte Flächen, Stufe 9 für herausragende Lebensräume von nationaler Bedeutung. Ab Stufe 6 gilt ein Biotop als wertvoll.
Mit Stufe 5 liegt die Koppel im mittleren Bereich, mit klarer Tendenz nach oben: Zwischen 2011 und 2020 hat sie sich deutlich aufgewertet. Der Wert eines Biotops ergibt sich außerdem nicht nur aus der Stufe, sondern auch aus seiner Lage im Verbund und den Arten, die es nutzen.
Skala: Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Biotopkartierung Hamburg
Was das Naturschutzrecht sagt
Unabhängig von der Wertstufe gelten für die Fledermäuse strenge Regeln. Alle heimischen Fledermausarten stehen in Anhang IV der europäischen FFH-Richtlinie und sind damit streng geschützt.
§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchGStreng geschützte Arten dürfen während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit nicht erheblich gestört werden.
§ 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchGFortpflanzungs- und Ruhestätten wie eine Wochenstube dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.
FFH-Anhang IVIn der Nachbarschaft wurden außerdem Zauneidechsen und Wiesenknopf-Ameisenbläulinge beobachtet. Beide Arten sind ebenfalls streng geschützt. Der offizielle Nachweis durch eine autorisierte Stelle steht noch aus und gehört in ein neues Gutachten.
§ 44 Abs. 5 und § 45 Abs. 7 BNatSchGAusnahmen sind nur unter engen Voraussetzungen möglich, etwa wenn vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen nachweislich wirken oder zwingende Gründe vorliegen und es keine zumutbare Alternative gibt. Genau das lässt sich nur mit aktuellen Daten beurteilen.
§ 246e BauGBDie Sonderregel erlaubt für Wohnungsbau Abweichungen vom Planungsrecht. Die artenschutzrechtlichen Verbote des Naturschutzrechts gelten trotzdem weiter.
Keine Rechtsberatung. Wie die Regeln im konkreten Fall anzuwenden sind, entscheiden die Behörden und im Streitfall die Gerichte.
Warum ein neues Gutachten nötig ist
Das Artenschutzgutachten für die Planung stammt aus dem Jahr 2017 und stützt sich auf Erhebungen von 2016. Die Wochenstube ist erst seit 2020 belegt, und die Aufwertung der Fläche reicht bis 2020. Beides fehlt in den Daten.
Auch in der Bezirksversammlung wird die Frage gestellt, ob vor jeder weiteren Entscheidung ein neues, umfassendes Gutachten erstellt werden muss. Wir meinen: ja.
Biotop oder Bauland?
Wie sich die Fläche entwickelt hat und wo das Verfahren steht.
Die Koppel wertet sich auf
Im Biotopkataster ist eine deutliche ökologische Aufwertung der Fläche dokumentiert.
Artenschutzgutachten
Erhebungen 2016, Gutachten 2017. Es ist bis heute die Grundlage der Planung.
Wochenstube entdeckt
Am Aalkrautweg wird eine Wochenstube mit bis zu 80 Fledermäusen fachkundig bestätigt und auf Video dokumentiert.
Thema im Bauausschuss Alstertal
Der Unterausschuss für Bauangelegenheiten berät über die naturschutzfachliche Einordnung der Fläche im Zusammenhang mit Prüfungen nach § 246e BauGB.
Eingabe im Hauptausschuss Wandsbek
Mehr als 200 Anwohnerinnen und Anwohner bringen mit der Eingabe „Biotop Hohensasel oder Bauland?“ ihre Bedenken vor die Bezirksversammlung.
Die Entscheidung ist offen
Das Vorhaben „Zukunft Wohnen“ wird weiterverfolgt. Noch kann die Nachbarschaft Einfluss nehmen.
Sitzungsunterlagen findest du im Transparenzportal Hamburg und im Ratsinformationssystem des Bezirks Wandsbek.
Was wir fordern
Wir sind Nachbarinnen und Nachbarn aus Sasel. Wir wollen, dass über die Fläche erst entschieden wird, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen.
Planungen aussetzen
Keine weiteren Schritte, bis ein aktuelles, vollständiges Artenschutzgutachten vorliegt.
Neues Gutachten
Eine Erhebung über eine volle Saison, die die Wochenstube, die Flugrouten und alle 65 Arten erfasst und die beobachteten Zauneidechsen und Wiesenknopf-Ameisenbläulinge offiziell prüft.
Wochenstube schützen
Quartier und Flugwege dauerhaft sichern, ohne Licht und Lärm während der Aufzuchtzeit.
Biotop rechtlich sichern
Wir prüfen gemeinsam mit Fachleuten, wie die Fläche vor irreversiblen Schäden geschützt werden kann, bis hin zu einem Eilantrag.
Naturschutzverbände einbinden
NABU, BUND und lokale Fachstellen sollen ihre Expertise einbringen.
Transparenz
Alle Unterlagen und Entscheidungen öffentlich machen und die Anwohnenden frühzeitig beteiligen.
So kannst du helfen
Eingabe unterstützen
Jede Bürgerin und jeder Bürger kann sich mit einer eigenen Eingabe an die Bezirksversammlung Wandsbek wenden. Je mehr Stimmen, desto größer das Gewicht.
Sitzungen besuchen
Ausschusssitzungen sind öffentlich. Zu Beginn ist Zeit für Anliegen aus der Bevölkerung, etwa im Ausschuss für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz.
Arten dokumentieren
Fotos und Beobachtungen mit Datum und Ort festhalten, zum Beispiel über iNaturalist oder naturgucker.de. Fledermäuse bitte nur beobachten, nie stören.
Fachwissen einbringen
Biologie, Recht, Stadtplanung oder Pressearbeit: Wir freuen uns über jede Expertise.
Weitersagen
Sprich mit Nachbarn und teile diese Seite. Viele wissen noch nicht, was auf der Koppel lebt.
Mitglied werden
Schließ dich der Initiative an. Schreib uns, dann nehmen wir dich in den Verteiler auf.
Fragen und Antworten
Seid ihr gegen neuen Wohnraum?
Nein. Hamburg braucht Wohnungen. Wir sind dagegen, eine Fläche mit 65 geschützten Arten und einer Fledermaus-Wochenstube auf Grundlage veralteter Daten zu bebauen.
Was ist eine Wochenstube?
Ein Quartier, in dem sich Fledermausweibchen im Sommer sammeln, um ihre Jungen zu gebären und aufzuziehen. Sie gehört zu den am strengsten geschützten Lebensstätten im Naturschutzrecht.
Wertstufe 5 klingt mittelmäßig. Warum ist die Fläche trotzdem wertvoll?
Die Stufe beschreibt den Biotoptyp. Sie sagt wenig darüber, welche geschützten Arten eine Fläche nutzen und welche Rolle sie im Biotopverbund spielt. Außerdem hat sich die Koppel bis 2020 deutlich aufgewertet, was eine neue Kartierung abbilden würde.
Kann man die Fledermäuse nicht einfach umsiedeln?
Fledermäuse sind sehr ortstreu. Ersatzquartiere werden oft erst nach Jahren oder gar nicht angenommen. Das Gesetz lässt solche Maßnahmen nur zu, wenn ihre Wirksamkeit vorher belegt ist.
Was bedeutet § 246e BauGB?
Eine Sonderregel, mit der Kommunen für Wohnungsbau vom geltenden Planungsrecht abweichen können. Das Naturschutzrecht und insbesondere der Artenschutz bleiben davon unberührt.
Wie kann ich mich einbringen?
Auf der Seite Ziele & Mitmachen findest du alle Möglichkeiten, von der Eingabe bis zur Artenbeobachtung.
Schreib uns
Fragen, Beobachtungen, Fachwissen oder einfach Interesse: Wir freuen uns über jede Nachricht.
Rettet das Biotop Hohensasel
- Ort
- Hohensasel / Aalkrautweg, 22395 Hamburg
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- Telefon
- Telefon einfügen
Weiterführende Stellen
Biotopkartierung Hamburg der Umweltbehörde
Transparenzportal Hamburg für Sitzungsunterlagen